55 Jahre gibt es sie nun schon – die Grüne Versicherungskarte, die in vielen Ländern als Nachweis einer KFZ-Haftpflicht nach den jeweiligen Bedingungen des Gastlandes gilt. Nun aber wird die „Grüne Karte“ Weiß, ohne allerdings ihren Namen zu wechseln. Alles was du zum Wechsel von grün auf weiß wissen musst erfährst du in diesem Beitrag.

Was ist die Grüne Versicherungskarte?

 

Die Idee, dass Autofahrer, die mit ihrem eigen KFZ im Ausland in einen Unfall verwickelt werden, Versicherungsschutz haben und nachweisen können, wurde erstmalig 1949 von der UNO vorgeschlagen. Es dauerte aber bis 1965, bis es zur Grünen Versicherungskarte kam, wie wir sie heute kennen. Aktuell verzeichnet das Grüne Versicherungsabkommen 49 Mitgliedsstaaten vorwiegend aus Europa.

Alle Mitgliedsstaaten der grünen Versicherungskarte kannst du hier einsehen.

Die grüne Versicherungskarte garantiert den Unfallbeteiligten im Ausland einen Versicherungsschutz zu Mindestversicherungssummen des jeweiligen Landes. Und das dieses Mindestversicherungssummen sehr unterschiedlich seien können wird am Vergleich von Deutschland 7,5 Millionen Euro und der Türkei 421.379 Euro deutlich. Du weist also mit der grünen Versicherungskarte nach, das dein Kfz in deinem Heimatland versichert ist. Und durch diesen Nachweis erhältst du Versicherungsschutz im Ausland.

 

Braucht man die eigentlich überhaupt?

 

Da stellt sich doch die Frage, ob das System im Zeitalter der Digitalisierung nicht veraltet ist, bzw. einfacher gelöst werden kann.

Ja, das wurde bereits im Jahre 1991 durch das „Kennzeichen-Abkommen“ vereinfacht. Alle Länder, die dieses Kennzeichenabkommen unterzeichnet haben, verzichten auf die Verpflichtung die grüne Versicherungskarte mitzuführen. Jedoch haben nicht alle 49 Mitgliedstaaten das Kennzeichen-Abkommen unterzeichnet. Alle Nichtunterzeichner Länder bestehen weiterhin auf das Mitführen der grünen Versicherungskarte. Die meisten Versicherungsunternehmen raten jedoch ihren Kunden die grüne Versicherungskarte grundsätzlich mitzuführen, wenn sie mit ihrem Auto, Wohnmobil oder Motorrad im Ausland unterwegs sind.

 

LandGrüne VersicherungskarteEmpfehlung
27 EU MitgliedstaatenVersicherungskarte nicht verpflichtendWird trotzdem häufig noch verlangt, daher lieber mitführen
Sonderfall ItalienVersicherungskarte nicht verpflichtendWird trotzdem häufig noch verlangt, daher lieber mitführen
Sonderfall GroßbritannienVersicherungskarte noch nicht verpflichtendKönnte nach der Übergangszeit des BREXIT verlangt werden. Ab 01.01.2020 lieber mitführen
Island, Norwegen, Liechtenstein, Andora, Kroatien, SchweizVersicherungskarte nicht verpflichtendLieber mitführen, kann die Abwicklung nach einem Unfall beschleunigen.
Albanien, Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Iran, Israel, Marokko, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Russland, Tunesien, Türkei, Ukraine sowie WeißrusslandVersicherungskarte verpflichtendMitführen und frühzeitig anfordern oder prüfen, ob die vorhandene Karte noch gültig ist.
KosovoVersicherungskarte nicht gültigDu musst eine Grenzversicherung abschliessen

 

Was änderte sich zu 01.07.2020?

 

Ab dem 01. Juli 2020 wird aus der grünen Versicherungskarte eine weisse Versicherungskarte. Der Hintergrund ist recht einfach und auch logisch. Durch das entfärben der grünen Versicherungskarte haben die Versicherungen die Möglichkeit die grüne (weisse) Versicherungskarte nun  online zu verschicken. Das erspart lange Wartezeiten zwischen dem Beantragen und zusenden bzw. du musst nicht mehr in die Versicherungsagentur gehen und sie dir abholen. Und da nicht jeder zu Hause in seinem Drucker das entsprechend grüne Papier hat, ist weiss die logische Konsequenz gewesen.

 

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Was bleibt gleich?

 

In einem Satz?

Alles bis auf die Farbe. Du musst sie weiterhin in Papierform mitführen. Das Vorzeigen auf deinem Smartphone reicht nicht aus. Zumindest in den Ländern, die das Kennzeichenabkommen nicht unterzeichnet haben. Aber auch in den Mitgliedsstaaten des Kennzeichenabkommens wird empfohlen die grüne/weiße Versicherungskarte in Papierform mitzuführen.

Selbst der Name bleibt erhalten. Obwohl das Ding nun weiß ist, heißt sie weiterhin Grüne Versicherungskarte.

Übergangsfristen

 

Ab dem 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 wird die grüne Versicherungskarte in grün per Post verschickt und auch in weiß als pdf per E-Mail. Ab dem 01.01.2021 wird dann ausschließlich die weise pdf Variante verschickt. Ob dazu zwingend eine E-Mailadresse notwendig ist, oder du ein digitales Postfach bei Versicherer erhältst ist noch nicht geklärt und wird aller Voraussicht nach von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich gehandhabt werden.

Wirst du als Kunde von mir beraten und betreut, nutzt du sicherlich auch unsere Kunden App „MeineApp“. In diesem Fall wirst du die grüne Versicherungskarte wie alle Dokumente in der App finden.

 

DBGK: Reguliert auch Schäden durch ausländische Autofahrer

 

  • Deutsche Unterorganisation des Council of Bureaux (CoB) ist das Deutsches Büro Grüne Karte e.V. (DBGK). Das Büro kümmert sich um die Ausgabe der Karte an die Versicherer zur Weiterleitung an die deutschen Kunden. Das DBGK hat zudem aber auch die Aufgabe, als „behandelndes Büro“ Ersatzansprüche zu bearbeiten, die an ausländische Büros der Organisation gerichtet sind.
  • Wird zum Beispiel jemand in Deutschland durch ein ausländisches Fahrzeug geschädigt, kümmert sich das DBGK um die Schadenregulierung beim ausländischen Versicherer des Unfallverursachers – und geht hierbei den Weg über das Büro des anderen Mitgliedsstaates.
  • Deswegen müssen Unfälle mit ausländischen Fahrzeugen beim DBGK angezeigt werden, um den Schaden erstattet zu bekommen – das DBGK hat die Pflichten eines Haftpflichtversicherers für ein ausländisches Kfz in Deutschland und kann folglich wie ein Haftpflichtversicherer in Anspruch genommen werden.
  • Es greift zudem die Passivlegitimation: Kommt es bei einem Prozesses zur Geltendmachung eines Anspruchs aus einem Verkehrsunfall, kann statt der ausländischen Akteure das DBGK verklagt werden – es ist „passiv legitimiert“. Baut hingegen ein Deutscher im Ausland einem Unfall, dann wendet sich nicht der Unfallverursacher an das DBGK, sondern das ausländische Büro. Das DBGK steht dann in der Pflicht, als „zahlendes Büro“ die Schaden-Transfers ins Ausland zu gewährleisten.