Die Grundrente kommt!
Nun ist es so weit, das Bundeskabinett hat beschlossen, dass ab dem 01.01.2021 die sogenannte Grundrente ausgezahlt werden soll. Über Gesetzesentwurf muss zwar noch im Bundestag abgestimmt werden. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass die notwendige Mehrheit zustimmen wird. Und danach ist der Weg frei für die neue Grundrente ab dem Jahr 2021. Hier in diesem Experten-Artikel erfährst du, wie genau die Grundrente funktioniert und welcher Personenkreis hauptsächlich davon profitieren wird. Aber auch kritischen Stimmen lassen wir am Ende des Artikels zu Wort kommen.

Konzept der Grundrente

Die SPD, aus deren Reihen die Idee der Grundrente kommt, beschreibt diese mit den folgenden Sätzen:
Bei der Grundrente geht es um die Würde der Menschen im Rentenalter. Es geht um Respekt und Anerkennung der Jahrzehnte lang erbrachten Leistungen. Denn aktuell können viele Menschen, auch wenn sie ihr ganzes Arbeitsleben in die Rentenkasse eingezahlt haben, nicht von ihrer Rente leben. Gerade Menschen, die über einen längeren Zeitraum einen nur sehr geringen Bruttolohn erhalten haben und dadurch eben sehr kleine Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt haben, haben es so richtig schwer im Rentenalter, mit ihrer Rente um die Runden zu kommen. Und die private Altersvorsorge war zu der Zeit, als die heutigen Rentner jung waren, nicht so ein Thema, wie es das heute ist. Das Recht die „Grundsicherung“ zu beantragen, heißt nicht, dass diese Generation das auch tut. Nicht, weil sie zu stolz sind. Das richtige Wort ist Scham! Das ist etwas, was sich viele der heut jungen Menschen nicht vorstellen können. Und sind wir ehrlich, wenn ich die Grundsicherung erhalten, heißt das nicht, das ich einen würdevollen Lebensabend verbringen kann.


Was ist die Grundrente?

Die Grundrente ist nichts anderes als ein Zuschlag an weiteren neuen Entgeltpunkten auf die bestehende Rente. Die Grundrente ist keine neue Art einer Rente. Sie stockt eine bestehende Rente „nur“ auf. Aber immer nur dann, wenn die Voraussetzungen gegeben sind. Die Grundrente erfasst folgende gesetzliche Renten:
• Altersrenten jeder Art,
• Erwerbsminderungsrenten
• Witwen- und Witwerrenten (eventuell auch Waisenrenten)


Wer von der Grundrente profitiert

Die Grundrente gilt für alle:
• Neurentner ab dem 01.01.2021,
• für alle bestehenden Rentenempfänger aus der Zeit vom 01.01.1992 bis zum 31.12.2020 und
• für alle bestehenden Rentenempfänger vor dem 01.01.1992.
Das Bundeskabinett hat eindeutig festgelegt, welche Menschen von der Grundrente profitieren sollen und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.
Menschen mit sogenannten Minirenten. Diese müssen aber mindestens 33 Jahre lang in die Rentenkassen Beiträge entrichtet haben. Dabei werden die Jahre der Kindererziehung, aber auch die der Pflege von Angehörigen angerechnet.
Um den maximalen Zuschlag zu erhalten darf das gesamte monatliche Einkommen als Rentner 1.250 Euro (Alleinstehende) und 1.950€ (Eheleute), nicht überschreiten.
Schon allein wegen Kindererziehungszeiten ist davon auszugehen, dass Frauen die Hauptprofiteurinnen sein werden. Schätzungen gehen von ca. 70 % aus.


Wie hoch ist die Grundrente?

Dir ist schon klar, dass wir hier über eine zusätzliche Rente vom Staat sprechen. Das heisst, so einfach ist das nicht. Das werden Beitragsjahr, Entgeltpunkt, neue oder alte Bundesländer, Rentenfaktor, Rentenabschlag unsw. berücksichtigt. Es gibt hier also keinen pauschalen Betrag, den man nennen kann. Wie viel Grundrente du bekommst, hängt davon ab, wie lange du in die Rentenkasse bzw. gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hast und wie hoch dein Einkommen war. Dazu wird auch unterschieden, ob du im Osten oder im Westen gearbeitet hast.
Ich gebe dir mal ein Beispiel an dem es etwas deutlicher wird:
Eine Friseurin aus Frankfurt an der Oder, welche 40 Beitragsjahre gesetzliche Rentenversicherung aufweisen kann, kommt auf eine Altersrente von 746€. Private Altersvorsorge hat sich nicht und zusätzliche Einkünfte sind auch nicht vorhanden. Durch die Grundrente erhält sie einen Zuschlag von 195€ und erhöht ihre Gesamtrente auf 941€.


Wie berechnet sich die Grundrente?

Es müssen von vornherein mindestens 33 Versicherungsjahre erfüllt sein. Das sind die sogenannten Grundrentenzeiten, welche dann auf deinem Rentenkonto stehen müssen. Es werden nur Pflichtbeitragszeiten zur Wertung herangezogen. Also Beiträge aus einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis, Kindererziehungszeiten, Zeit der Pflege von Familienangehörigen. Es zählen auch versicherungspflichtige Zeiten von Selbständigen dazu.
Die in der Zeit durchschnittlich erworbenen Entgeltpunkte werden um einen Zuschlag erhöht. Das sind dann die sogenannten Grundrentenbewertungszeiten.
Die im Schnitt erworbenen Rentenansprüche dürfen nicht zu niedrig sein: Jahre, in denen Versicherte weniger als 30 Prozent (0,3 Entgeltpunkte) des durchschnittlichen Einkommens aller Versicherten erzielt haben, bringen keine Rentenaufstockung.
Die erworbenen Rentenansprüche dürfen auch nicht zu hoch sein. Wer im Schnitt mehr als 80 Prozent (0,8004 Entgeltpunkte) des Durchschnittseinkommens erzielt hat und auf dieser Basis Beiträge gezahlt hat, bekommt keine Aufstockung seiner Rente.
Die selbst erworbenen Entgeltpunkte und der Zuschlag in Form von Entgeltpunkten kann zusammen nie höher als 0,8004 Entgeltpunkte sein.
Das heißt aber nicht, dass die Rentner, der nur 0,3 Entgeltpunkte aus eigener Kraft erreicht haben, einen Zuschlag erhalten, der sie auf 0,8004 Entgeltpunkte katapultiert.
Wer nur 0,3 durchschnittliche Entgeltpunkte nachweisen kommt auf eine knappe Verdoppelung der Entgeltpunkte. Denn es gibt noch einen allgemeinen Abschlag auf die Grundrente von 12,5 %.
Herangezogen für die Berechnung werden maximal 35 Beitragsjahre.


Wie weisst du deinen Anspruch auf die Grundrente nach?

CDU/CSU haben hier heftig und lange diskutiert. Die SPD konnte sich schließlich durchsetzen:
Alle grundrentenberechtigten Personen bekommen diese automatisch ausbezahlt. Sichergestellt wird dies durch einen Austausch zwischen den Finanzämtern und der Deutschen Rentenversicherung.
Das Einkommen in der Zeit des Rentenbezugs darf nicht zu hoch sein.


Wie viel Menschen werden sich durch die Grundrente finanziell verbessern?

Schätzungen gehen von ca. 1,3 Millionen Rentnerinnen und Rentnern aus. Davon werden die Rentnerinnen rund 70 % ausmachen. Wichtig zu wissen ist auch, dass auch Menschen, die bereits in Rente sind, von der Grundrente profitieren werden. Natürlich, sofern sie die genannten Voraussetzungen erfüllen.


Und wer bezahlt das alles?

Das war der Punkt, warum überhaupt so lang diskutiert wurde. Denn wenn das klar ist, ist der Rest nur noch Formsache. Die SPD versichert, dass es zu keinerlei Beitragserhöhungen des Rentenversicherungsbeitrages durch die Grundrente kommen wird. Vielmehr soll das Geld für die rund 1,3 Millionen Rentnerinnen und Rentner durch höhere Steuerzuschüsse in die Rentenkasse finanziert werden. Aber woher kommen die Steuermittel? Diese sollen durch die neu einzuführende Finanztransaktionssteuer zur Verfügung gestellt werden.


Was gibt es zu kritisieren an der Grundrente?

Meckerer gibt es selbstverständlich auch. Wir maßen uns nicht an, dies zu beurteilen. Vor allem aus der Reihen der Arbeitgeber, Gewerkschaften und arbeitgebernahen Einrichtungen hagelt es Kritik.
Hier mal ein paar Beispiele:

Die Grundrente sorgt für gravierende Ungerechtigkeiten und leistet keinen zielgenauen Beitrag gegen Altersarmut.

INGO KRAMER, ARBEITGEBERPRÄSIDENT

 

Das Verfahren zur Berechnung der Grundrente ist höchst kompliziert und es werden viel weniger Menschen davon profitieren als ursprünglich geplant.

ANNELIE BUNTENBACH, VORSTANDSMITGLIED IM DEUTSCHEN GEWERKSCHAFTSBUND

 

Die besonders bedürftigen Personen, nämlich jene mit weniger als 33 Beitragsjahren oder langen Zeiten an Arbeitslosigkeit, haben weiterhin keinen Anspruch auf Grundrente.

JOACHIM RAGNITZ, IFO-INSTITUT


Deine Meinung zur Grundrente?

Uns Interessiert deine Meinung zur Grundrente. Schreib doch gleich hier einen Kommentar. Ist die Grundrente eine längst überfälliger Schritt, setzt sie die falschen Signale, ist ungerecht oder nicht zu Ende gedacht?