In einer privaten Unfallversicherung sind einige Dinge beim Abschluss zu beachten. Neben der Progression, der Invaliditätssumme, der Gliedertaxe oder etwaigen Zusatzbausteinen, gibt es aber eine Klausel, die den wenigsten Menschen bekannt ist und die auch in den meisten Beratungen gar nicht angesprochen wird. Die Rede ist vom Mitwirkungsanteil. Dann widmen wir der Mitwirkungsklausel doch mal einen eigenen Beitrag.

Was besagt die Mitwirkungsklausel?

In der privaten Unfallversicherung ist die Anrechnung von bestehenden Erkrankungen und Vorschädigungen im Leistungsfall in der Mitwirkungsklausel  geregelt. Also welchen Mitwirkungsanteil haben bestehenden Erkrankungen und Vorschädigungen auf die Entstehung des Unfalls und auf den Invaliditätsgrad. Wichtig für dich zu wissen ist dabei, dass auch Erkrankungen die nach Abschluss der privaten Unfallversicherung aufgetreten sind, eine Rolle spielen.

Dabei musst du unterscheiden zwischen Erkrankungen, Schädigungen, Beeinträchtigungen und Aktivitäten, die direkt zum Unfall geführt haben. Sprich die der Auslöser für den Unfall waren und denen, die eine schlechtere Heilung bzw. einen höheren Invaliditätsgrad bedingen.

Machen wir mal ein paar Beispiele für Aktivitäten, die direkt zum Unfall geführt haben:

  • Nach einer Kneipentour fällst du betrunken in eine Baugrube…
  • Nach langer Autofahrt verursachst du einen Verkehrsunfall durch den berühmten „Sekundenschlaf“
  • Du plagst dich mit Kreislaufproblemen und fällst dadurch die Treppe unter.
  • Du nimmst an einem Motocross Rennen teil und erleidest einen Unfall.
  • Zum Geburtstag hast du ein Fahrsicherheitstraining geschenkt bekommen. Bei diesem Fahrsicherheitstraining passiert ein folgenschwerer Unfall.
  • Epileptische Anfälle, Herzinfarkt, Schlaganfälle und dadurch die Treppe runterfallen oder Verkehrsunfälle verursachen – alles Auslöser für den Unfall.

Aber welche Erkrankungen oder Vorschädigungen können sich negativ auf den Heilungsprozess auswirken?

Was steht denn nun drin in dieser ominösen Mitwirkungsklausel?

Die Mitwirkungsklausel in der privaten Unfallversicherung bedeutet, dass der Zustand des Körpers vor und nach dem Unfall dokumentiert wird.
Eine Unfallversicherung muss nur leisten, wenn nach einem Unfall ein Invaliditätsgrad verbleibt.
Einige Krankheiten können jedoch die Genesung nach einem Unfall verzögern, behindern oder möglicherweise war der Versicherte aufgrund einer Vorerkrankung (z.B. einer Lähmung) bereits vorher teilweise invalide.
Eine private Unfallversicherung mit  Mitwirkungsanteil, prüft im Versicherungsfall, welche Mitschuld oder Mitwirkung die Vorerkrankung am Invaliditätsfall hat und zieht diesen Prozentsatz entsprechend vom erreichten Invaliditätsgrad ab und leistet danach.
Private Unfallversicherungen prüfen eine Mitwirkung sowieso erst ab einem Mitwirkungsanteil von 25%. Es gibt allerdings auch Premium-Unfallversicherungen, die eine Mitwirkung erst bei 40% oder mehr prüfen oder komplett darauf verzichten. Wenn du also eine private Unfallversicherung abschließen willst, dann ist die Mitwirkungsklausel ein wichtiger Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt.

 

Wie wirkt sich die Mitwirkungsklausel aus?

Der Versicherer kann im Versicherungsfall die Auszahlungssumme in dem Verhältnis kürzen, in dem die Vorschädigung, die Aktivität zur Invalidität beigetragen hat. Je höher der Mitwirkungsanteil einer Krankheit oder eines Gebrechens oder einer Aktivität sein darf, ohne dass der Versicherer seine Leistung kürzt, desto besser für dich im Schadensfall.

Schlecht wäre, wenn der Mitwirkungsanteil grundsätzlich immer angewendet werden darf.

Gut ist ein Mitwirkungsanteil, der erst ab 40% Mitwirkung greift.

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Wieso haben Versicherungen die Mitwirkungsklausel eingeführt?

Die private Unfallversicherung soll nur für Unfallfolgen leisten, nicht aber für bereits bestehende Krankheiten und Gebrechen. Um eine Grundlage für die Leistungsbemessung zu haben, müssen die Unfallfolgen von den unfallfremden Vorerkrankungen abgegrenzt werden.

Der Versicherer mindert den Invaliditätsgrad um den Prozentsatz der Mitwirkung, allerdings muss der Mitwirkungsgrad mindestens 25 % betragen bzw. den vereinbarten Prozentsatz. Das hat unter Umständen zur Folge, das eine vereinbarte Progressionsstaffel nicht erreicht wird und es dadurch zu erheblichen Leistungseinbußen kommt. Dies kann im schlimmsten Fall auch die Todesfallleistung betreffen.

Die Feststellung des Mitwirkungsanteils durch ein Gutachten beruht auf der Partialkausalität. Hierzu hat das OLG Düsseldorf (Urteil vom 18.1.1994 – 4 U 248/92) folgenden Hinweis gegeben:

„In der Abwägung der beiden im Rechtssinne gleichwertigen Ursachen ist deshalb die Schwere des Unfalls einerseits und die Schwere des Vorschadens andererseits einzubeziehen. Bedurfte es wegen des Vorschadens nur noch einer geringen Unfalleinwirkung, so entfällt auf den Vorschaden der überwiegende Anteil. Umgekehrt kommt dem Unfall die ausschlaggebende Bedeutung zu, je schwerer er auf den Körper einwirkt und geeignet ist, schwere Gesundheitsschäden zu bewirken.“

Daraus lässt sich ableiten, die Höhe des Mitwirkungsanteils hängt letztendlich davon abhängt, ob der Unfall als solcher den überwiegenden Anteil an der Schädigung hatte oder die Vorerkrankung bzw. Vorschädigung.

Gibt es Unterschiede zwischen den Anbietern?

Ja, die gibt es. Mir ist aber kein Anbieter bekannt, der die Mitwirkungsklausel in der privaten Unfallversicherung bereits ab dem 1. Prozent einer dauerhaften Invalidität anwendet.

Weniger gute Unfallversicherungstarife wenden die Mitwirkungsklausel bereits ab 25 Prozent einer Invalidität an. Gut ist ein Mitwirkungsanteil in der privaten Unfallversicherung ab 40 Prozent.

Wenn also nachgewiesen eine Vorerkrankung, eine Beeinträchtigung oder eine Vorschädigung zum Unfall beigetragen haben  oder den Invaliditätsgrad beeinflusst haben, spielt das für die Invaliditätsleistung erst ab 25 Prozent bzw. 40 Prozent Invalidität eine Rolle.

Jetzt wird klar, je später die Mitwirkungsklausel greift, umso besser für dich.

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Beispielrechnung im Tarif ohne Progression

Du torkelst nachts, von der weiter oben genannte Kneipentour, nach Hause. Die abgesperrte Baugrube siehst du zwar, schaffst es aber nicht ihr auszuweichen. Durch den Sturz ziehst du dir einen dauerhaften Schaden am rechten Knie zu. Deine private Unfallversicherung hast du mit 100.000 Euro Versicherungssumme angeschlossen. Anhand der Gliedertaxe ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 35 Prozent.

Die Versicherung ermittelt einen Mitwirkungsanteil von 50 Prozent.

Mitwirkungsanteil ab 25 Prozent Invalidität:

Berechnung:

1. Schritt:

Versicherungssumme x Invaliditätsgrad in % = Leistung ohne Mitwirkungsanteil

100.000 Euro x 35 Prozent = 35.000 Euro

2. Schritt:

Leistung ohne Mitwirkungsanteil – Mitwirkungsanteil in Prozent = tatsächliche Leistung

35.000 Euro – 50 Prozent = 17.500 Euro

Mitwirkungsanteil ab 40 Prozent Invalidität:

Da die Invalidität bei 35 % liegt und der Mitwirkungsanteil erst ab 40% Invalidität berücksichtigt wird, ergibt sich folgende Berechnung der Versicherungsleistung:

Versicherungssumme x Invaliditätsgrad = Versicherungsleistung

100.000 € x 35 % = 35.000 €

Beispielrechnung im Tarif mit Progression

In einer privaten Unfallversicherung mit einer Progression wird die Auswirkung der Mitwirkungsklausel noch drastischer.

Beispiel einer Progressionstabelle mit 1.000 % Progression:

Anhand dieser Beispieltabelle ergeben sich bei unserem Beispiel noch keine Änderungen.

Aber wie sieht es aus bei einem Invaliditätsgrad von 70 Prozent und einem Mitwirkungsanteil von 50 Prozent. Die Versicherungssumme liegt weiterhin bei 100.000 Euro.

Berechnung:
  1. Schritt: Versicherungssumme / 100 x Leistung in % laut Progressionstabelle = Leistung ohne Mitwirkungsanteil
  2. Schritt: Leistung ohne Mitwirkungsanteil – Mitwirkungsanteil in Prozent = tatsächliche Leistung

100.000 Euro / 100 x 290 = 290.000

290.000 – 50% = 145.000

Ohne Mitwirkungsklausel beträgt die Versicherungsleistung:

100.000 € x 290 % = 290.000 €.

Es ergibt sich also eine Differenz von 145.000 €

 

Was bedeutet das nun für dich?

Was bedeutet das nun für dich:

  1. Achte bei der Tarifauswahl auf ein sehr spätes Eintreten der Mitwirkungsklausel
  2. Geh nach einem Unfall sofort zum Arzt und lass dich untersuchen.
  3. Sensibilisier den Arzt für die Problematik. Natürlich kann und soll kein Arzt ein falsches Attest ausstellen. Doch bei diagnostischen Unklarheiten oder Ermessensspielräumen kann dieses Wissen sicherlich hilfreich sein.
  4. Wichtig ist es, dass sogleich bildgebende Befunde und Laborbefunde erhoben werden. Andernfalls können wichtige Beweise verloren gehen und der Zusammenhang zwischen Unfall und Beschwerden kann verwässert werden.

 

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