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Warum schreibe ich einen Blog Artikel nur über die Infektionsklausel. Ich habe das doch schon im „Video 4 – Berufsunfähigkeit, immer schön der Reihe nach“ ausführlich erklärt….

 

Das hat zwei Gründe.

  1. Kürzlich hatte ich zwei Beratungen mit Ärzten zum Thema Berufsunfähigkeit. Beide kamen zum Termin und legten großen Wert eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Infektionsklausel in Vertrag.
  2. Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel eines Versicherungsmaklers gelesen, den ich sehr schätze. Er geht dort nochmal auf die Infektionsklausel ein und berichtet auch von Terminen mit Ärzten, die Wert auf die Infektionsklausel legten.

Es scheint also noch nicht überall angekommen zu sein, wie die Infektionsklausel in der BU zu bewerten ist. Sich im Internet zu informieren, ist ja gut und schön, jedoch muss ich es auch richtig einordnen. Also, dass was da geschrieben steht. Und ich muss mich auf den richtigen Seiten rumtreiben. Wer kennt nicht die lustigen Sprüche, wenn jemand seine Krankheitssymptome gegoogelt hat, anstatt zu Arzt zu gehen.

Wenn man mich also fragt, ob die Infektionsklausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig ist, dann ist meine Antwort: Nö, ist Käse!

 

Aber beginnen wir beim Urschleim, oder besser gesagt,

  1. Was besagt denn die Infektionsklausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung?
  2. Berufsverbot – wie schützt mich Vater Staat?

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Fangen wir an:

Wir reden hier nicht über die Unfallversicherung mit Infektionsklausel. In der Unfallversicherung hat die Infektionsklausel eine völlig andere Bedeutung.

Wenn mir ein Arbeitsverbot nach §31 Infektionsschutzgesetz erteilt wird, greift die Infektionsklausel der BU -Versicherung. Ich erhalte dann die volle versicherte Berufsunfähigkeitsrente aus meiner Versicherung. Aber wann erhalte ich denn ein Berufsverbot? Laut § 31 des Infektionsschutzgesetzes dann, wenn ich infektiös bin. Also wenn die Gefahr besteht, dass ich bei der Ausübung meines Berufes anderen Menschen anstecke. Zum Schutz der Allgemeinheit wird mir dann ein behördliches Arbeitsverbot auferlegt.

OK, die Behörde verbiete mir zu arbeiten. Entschädigt sie mich aber auch, wenn ich kein Einkommen mehr erzielen kann.

Antwort, Ja das tut sie. Wenn mir ein Arbeitsverbot nach § 31 Infektionsschutzgesetz erteilt wird, habe ich Anspruch auf eine Entschädigung in Geld. So steht es im § 56 IfSG.

Und wie berechnet sich das, oder gibt es eine Pauschale?

Die Entschädigung in Geld ist genauso hoch wie das gesetzliche Krankengeld. Also 70 % vom Bruttoeinkommen oder 90 % vom Nettoeinkommen. Den geringeren Betrag der beiden Prozente erhalte ich. Davon werden dann noch Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Dann komme ich auf 70 bis 75 Prozent des letzten Einkommens. Und damit Du mir das glaubst, kannst du das hier nachlesen.

Hier kommst du zu all meinen Videos zum Thema Berufsunfähigkeit

Dann habe ich doch einen Einkommensverlust!

Ja, den hast Du. Aber eben nicht 100 %. Nicht in der Höhe einer sinnvollen, bedarfsgerechten abgeschlossenen Berufsunfähigkeitsversicherung.

Infektionsklausel

Eine Infektionsklausel ist nichts anderes als Marketing. Warum nehmen denn so viele Versicherungen diese Klausel in Ihre Bedingungen auf und passen die Prämien dafür nicht an? Weil das Risiko gleich null ist.

Gehen wir nochmal zurück auf Anfang.

Eine BU-Versicherung leistet bei Krankheit, Körperverletzung und Kräfteverfall. Und zwar dann, wenn ich nur noch die Hälfte der üblichen Tätigkeiten meines Arbeitsalltages ausüben kann. Es ist nicht definiert, dass mich die Krankheit direkt in meiner Leistungsfähigkeit einschränken muss. Es ist ausreichend, wenn ich nicht mehr arbeiten kann.

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Es genügt der Tatbestand, dass ich nicht mehr arbeiten kann. Und ein behördliches Verbot verbietet mir nun mal zu arbeiten. Ich kann (darf) also nicht mehr arbeiten.

Und auch, wenn Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen kein behördliches Verbot verlangen, ist es aber nicht sinnvoll zu arbeiten, wenn man infektiös ist. Das kann ich meinen Patienten, meinen Kunden, Menschen, mit denen ich zusammenarbeite oder die ich betreue nicht antun. Man stelle sich vor ein/e infektiöser Kindergärtner/in arbeitet weiter.

Was will ich sagen:

Obwohl ich also noch körperlich in der Lage bin, zu 100 % zu arbeiten, ist dennoch ein sinnvolles Arbeitsergebnis nicht möglich. Deshalb liegt eine 100%ige Berufsunfähigkeit vor. Es kursiert überall, ich muss meine Arbeitskraft zu 50 % eingebüßt haben, um im Sinne der Versicherung berufsunfähig zu sein. Das ist Kokolores. Sobald ich nicht mehr in der Lage bin ein sinnvolles Arbeitsergebnis zu erzielen, bin ich im Sinne Berufsunfähigkeitsversicherung berufsunfähig. Und das kann auch schon sein, wenn ich meine Arbeitskraft erst zu 10 % eingebüßt habe. Du willst ein Beispiel, du bekommst ein Beispiel:


Ich bin Außendienstmitarbeiter und kann aufgrund einer Erkrankung nicht mehr Auto fahren. Ich kann aber vollumfänglich Kunden beraten und betreuen. Das nützt mir aber nichts, wenn ich nicht zu ihnen hinkomme. Das Autofahren macht aber nicht 50 % meiner Tätigkeit aus, sondern eben nur 10 %. Da ich nun aber kein Auto fahren kann/darf, ist ein sinnvolles Arbeitsergebnis nicht mehr möglich. Ergo bin ich berufsunfähig, obwohl ich nur 10% meiner Arbeitskraft eingebüßt habe.


 

Jetzt kann ich noch darüber diskutieren, ob ich die Einbuße von 25 % versichern muss. Denn die fehlen mir ja dann. Ich kann aber auch drüber diskutieren, dass ein Arzt zu den besserverdienenden Menschen gehört und in der Lage sein sollte, mit 75 % seines Einkommens auszukommen. Wenn ein gescheites Finanzkonzept erstellt wurde und nicht nur eine reine Produktberatung stattgefunden hat, die die Gesamtsituation auch regelt, sollte das möglich sein. Grundsätzlich ist es doch eh empfehlenswert 20 bis 25 % seines Nettoeinkommens zu sparen.

Abschließend ist die Infektionsklausel aus meiner Sicht reines Marketing um das Produkt für Ärzte, Kindergärtner, Betreuer von Menschen attraktiver zu machen. Nicht mehr und nicht weniger.

Das heißt jetzt nicht, dass ich als Arzt eine BU Versicherung ohne Infektionsklausel nehmen soll. Es schadet nicht, wenn sie drin ist, sie ist aber auch nicht wichtig. Am Beitrag, den ich zu entrichten habe, ändert es auch nicht. Wieso auch, was nichts bringt, kostet auch nichts.

Alle, die es anders sehen, tun es aus zwei Gründen:

  1. Da gibt es auf der einen Seite die Berater, Betreuer, Makler, Finanzexperten etc., die die Infektionsklausel nutzen, um ihr Produkt und sich herauszustellen.
  2. Der Verbraucher, der sich auf den falschen Seiten informiert, bzw. falsch beraten wurde.