Während der Pandemie betreuen weit über hunderttausend Eltern ihre Kinder zu Hause. Ein oft kaum zu stemmende Mehrbelastung geht damit einher. Ich erkläre in diesem Beitrag, was die Bundesregierung in der Pandemie ändert und wie Eltern das Kinderkrankengeld richtig beantragen und zusätzlich, wie sie die Tage auch übertragen können.

Wie ist das Kinderkrankengeld üblicherweise gestaltet?

Der Name sagt es schon, das Kinderkrankengeld ist für den eines kranken Kindes vorgesehen.

Ist dein Kind also krank und muss wegen der Krankheit betreut werden, habe die berufstätigen Eltern einen gesetzlichen Anspruch auf eine Freistellung von der Arbeit. Neben diesem Recht auf Freistellung besteht für die Eltern, sofern sie gesetzlich Krankenversichert sind, ein zeitlich befristeter Anspruch auf Kinderkrankengeld. Hier müssen die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sein.

Aber was sind denn die Anspruchsvoraussetzungen? zum einen müssen gesetzlich krankenversichert sein und zwar mit Anspruch auf Krankengeld. Weiterhin muss ihnen ein Arzt attestieren dass sie für die Betreuung, Beaufsichtigung oder der Pflege ihres Kindes von der Arbeit fernbleiben müssen. Das erkrankte Kind muss ebenfalls gesetzlich krankenversichert sein. Das alles kann nur erfolgen, wenn keine andere im Haushalt lebende Person die Pflege, Betreuung oder Beaufsichtigung übernehmen kann. Das zu pflegende, betreuende oder beaufsichtigende Kind muss dabei unter 12 Jahre alt sein oder behindert und auf Pflege angewiesen.

 

Wie lange können Eltern üblicherweise das Kinderkrankengeld beziehen?

Als Anspruchszeitraum wird das Kalenderjahr zugrunde gelegt. Jedes Elternteil, der die genannten Vorrausetzungen erfüllt hat maximal pro Kind für 10 Tage Anspruch auf das Kinderkrankengeld. Bei Alleinerziehenden erhöht sich der Anspruch auf Kinderkrankentagegeld auf bis zu 20 Arbeitstage je Kind. Bei mehreren Kindern erhöht sich die Anspruchsdauer entsprechend. Aber es gibt eine Obergrenze. Je Elternteil besteht für maximal 25 Arbeitstage Anspruch auf Kinderkrankengeld. für Alleinerziehende verdoppelt sich der Anspruch auf maximal 50 Arbeitstage.

An den Tagen, an denen der Arbeitgeber seine Beschäftigten bezahlt freistellt ruht das Kinderkrankengeld. Sie werden hierauf angerechnet.

 

Ganz wichtige Änderung: Bezugsdauer wurde im Jahr 2021 verlängert!

Um Eltern in der Pandemie zu entlasten, wird der Anspruchszeitraum für das Kinderkrankengeld in 2021 abweichend für jeden Elternteil und jedes Kind für längstens 20 Arbeitstage gewährt. Alleinerziehende habe für längstens 40 Tage Anspruch auf Kinderkrankengeld. Eine Obergrenze wurde auf 45 Arbeitstage je Elternteil festgelegt und für Alleinerziehende auf 90 Arbeitstage.

 

Das Kinderkrankengeld bekommen Eltern auch bei Kita- und Schulschließungen!

Das Gesetz sieht vor, dass ein Anspruch auf Kinderkrankengeld auch für den Fall besteht, wenn eine Betreuung des Kindes zu  Hause fällig wird, wenn es gar nicht erkrankt ist. Das ist jetzt in der Pandemie der Fall, wenn die Kinderbetreuungseinrichtung oder die Schule pandemiebedingt geschlossen sind bzw. für Klasse oder Gruppe eine sogenanntes Betreuungsverbot ausgesprochen wird. Ist der Zugang zu einem Kinderbetreuungsangebot eingeschränkt oder nicht möglich bzw. die Anwesenheitspflicht für den Unterricht wurde ausgesetzt, besteht dieser Anspruch ebenfalls. Eine behördliche Empfehlung in der Pandemie die er Einrichtung fernzubleiben, erfüllt diese Voraussetzungen ebenfalls. Um den Anspruch auf Kinderkrankengeld zu halten, müssen Versicherte eine Nachweis bei ihrer zuständigen Krankenkasse einreichen.

Diese Neuerungen traten am 5. Januar in Kraft und können für die Zeiträume ab diesem Datum nachträglich beantragt werden.

Aber Achtung: Wer Kinderkrankengeld erhält, hat keinen Entschädigungsanspruch nach dem Infektionsschutzgesetz.

 

Die Eltern entscheiden, wer die Betreuung übernimmt …

 

Die Eltern können, sofern sie berufstätig und gesetzlich versichert sind eigenständig entscheiden, wer von ihnen die Betreuung des erkrankten Kindes übernehmen soll. Dabei können sie sich gegenseitig Anspruchstage übertragen, wenn der betreuende Elternteil seine eigenen Anspruchstage bereits aufgebrauch hat. Allerdings gilt als Voraussetzung das Einverständnis des Arbeitgebers. Er muss es letztendlich genehmigen. Es ist ratsam, sich in diesem fall an seine Krankenkasse zu wenden.

 

… und sie können switchen, auch mehrmals

 

Es kann der fall eintreten, dass der betreuende Elternteil die Betreuung nicht durchgängig abbilden kann, weil ein wichtiger beruflicher Termin nicht verschoben werden kann. Für solche Fälle ist eine Abwechslung der Betreuung durch die Eltern möglich. Allergings nur, wenn noch genügend Anspruchstage für beide zur Verfügung stehen. Dafür muss der zuerst pflegende Elternteil lediglich seine Krankenkasse über den Wunsch des Betreuungswechsels unter Angabe des Termins zu informieren.

Wichtig: für Familien in denen die Eltern bei unterschiedlichen Krankenkassen versichert sind. Dann muss  entweder ein neuer ärztlicher Nachweis erbracht werden, oder eine Kopie des ersten Nachweises zum Anspruchsnachweis gegenüber seiner Krankenkasse eingereicht werden..

 

Für Privatversicherte habe ich keine guten Nachrichten – sie gehen meistens leer aus!

Für den Elternteil der nicht gesetzlich versichert ist, sondern Mitglied einer privaten Krankenversicherung, besteht ein Anspruch auf unbezahlte Freistellung. Der Versicherungsschutz der privaten Krankenversicherung umfasst in der Regel jedoch keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Die Crux bei der Sache ist zusätzlich, das sich der Anspruch Zeitraum für den eventuell andern gesetzlich versicherten Elternteil nicht um die tage des privatversicherten Partners erhöht. Er hat auch in diesem Fall nur einen Anspruch auf höchstens 10 bis 25 Arbeitstage Kinderkrankengeld je Kalenderjahr (2021: 20 bis 45 Arbeitstage).

Einen Sonderfall stellen die Eltern von schwerstkranken Kindern dar, die nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben haben: Für sie besteht ein zeitlich unbegrenzter Anspruch auf Krankengeld.