Das 1×1 der Geldanlage

Geldanlage, Vermögensaufbau, Kapitalaufbau soviel verschiedene Begriffe es dafür gibt, so komplex ist das Thema auch. Da kann man schon schnell Fehlentscheidungen treffen.

Es gibt jedoch ein paar einfache Regeln, die dir helfen können, diese Fehler zu vermeiden und langfristigen und nachhaltigen Kapitalaufbau zu betreiben. 

  1. Zielsetzung – Wo soll die Reise hingehen?
  2. Schuldentilgung – Tod dem Privatkredit
  3. Flexible Rücklagen – die Oma sagte dazu Notgroschen
  4. Vermögensaufbau und Vermögenssicherung sollten wie Zahnräder ineinandergreifen
  5. Welches Risiko bist Du bereit einzugehen?­­­
  6. Streuen des Risikos
  7. Kosten, Kosten, Kosten
  8. bleib flexibel
  9. regelmäßiger Checkup
  10. Fang an

 

Wenn du sinnvollen und nachhaltigen Vermögensaufbau betreiben willst, ist eine gute Vorbereitung unerlässlich. Tust du das nicht, wählst unter Umständen die falschen Produkte, setzte die Sparrate zu hoch oder zu niedrig an oder kommst zu bestimmten Zeitpunkten nicht an dein Kapital, weil es festgeschrieben ist. Oder du wählst nicht die für dich richtige Risikoklasse aus.

Du musst aber jetzt keine Panik bekommen und die Flinte ins berühmte Korn werfen.

Wenn du die folgenden 10 einfachen Punkte beachtest, ist das alles gar nicht so schwierig.

Wenn Du den Artikel gelesen hast und dir auch die Videos auf meinem YouTube Kanal angesehen hast, wirst Du erkennen, dass das Konzept wichtiger als das Produkt ist.

 

Lass uns anfangen:

 

  1. Zielsetzung – Wo soll die Reise hingehen?

Wenn du nicht weisst, wofür du sparst, wann du das Geld benötigst, wieviel Geld du zu einem bestimmten Stichtag benötigst, verhältst du dich wie ein Schiff auf dem Meer ohne Kompass.

Nimm dir also genügend Zeit dafür. Hast du einen Lebenspartner, dann beziehe ihn mit ein.

Willst du dir ein Haus kaufen? Wann willst Du es kaufen? Was soll es kosten? Sind andere Anschaffungen geplant? Wie hoch sind die monatlichen Fixkosten aktuell? Wie werden sich diese eventuell in Zukunft gestalten? Wie sieht es mit der Familienplanung aus? Kannst Du deine Gehaltsentwicklung abschätzen?

Stehst du aktuell auf stabilen finanziellen Beinen oder solltest du erst diese Baustelle beseitigen? Wie willst du sparen? Also soll monatlich ein fixer Betrag angelegt werden, hast du eine größere Summe als Einmalbetrag zur Verfügung, oder ist eventuell beides gleichzeitig möglich?

Stehst Du am Anfang deines Berufslebens, mittendrin oder bist Du auf der Zielgeraden und das Rentenalter ist greifbar? Hier kommen unterschiedliche Produkte in Frage.

Und, welche Anforderungen stellts du an Geldanlagen? Legst Du Wert auf Sicherheit, auf hohe Rendite auf größtmögliche Flexibilität und Verfügbarkeit. Wir sprechen hier von Anlegergrundsätzen.

Du musst dich entscheiden. Eine Geldanlage, die alle Kriterien erfüllt, gibt es nicht. Das Risiko einer Geldanlage steigt mit der zu erwartenden Rendite.

Wenn Du hier gründlich und sorgfältig vorgehst, bist du deinem Ziel ein großes Stück nähergekommen.

Haushaltsplaner herunterladen

 

  1. Schuldentilgung – Tod dem Privatkredit

So, die Ziele stehen, die Risikobereitschaft ist ausgelotet – Punkt 1 ist als abgearbeitet.

Du hast dir den Haushaltsplaner geladen und ausgefüllt. Wenn du da einen Konsumkredit eingetragen hast, dann ist dies die zweite Baustelle, die du angreifen solltest.

Es macht wirklich keinen Sinn, 6 bis 10 Prozent Schuldzinsen zu zahlen und bei deinen Geldanlagen 2 bis 4% Rendite zu erzielen. Versuche so schnell wie möglich die Schulden zu tilgen. Verhandle mit der Bank über eine Erhöhung der mtl. Tilgung. Prüfe ob du die Möglichkeit der Sondertilgung hast. Hast du vielleicht Kapital, um die Schulden sofort zu tilgen, dann prüfe diese Option. Manchmal kann eine Umschuldung sinnvoll sein. Doch Vorsicht, hier solltest Du genau prüfen, ob das nicht mit neuen Kosten verbunden ist.

Vermeide es auch zukünftig neue Schulden zu machen. Die Devise sollte lauten: Erst sparen, dann kaufen! Das beste Darlehen, ist das, was du nicht benötigst.

Prüfe, ob Du bestehende Sparverträge auflösen kannst, um die Schulden zu tilgen.

Auch hier rate ich dir nicht überstürzt zu handeln. Ob es ratsam ist eine klassische Lebensversicherung aus dem Jahr 2004 oder früher dafür zu kündigen ist fraglich. Diese Verträge haben zum einen fantastisch hohe garantierte Verzinsungen und sind zum anderen steuerfrei, wenn sie eine Laufzeit von mindestes 12 Jahre haben und 5 Jahre Beiträge gezahlt wurden.

Keine Regel ohne Ausnahme. Wenn du die Schuldzinsen steuerlich geltend machen kannst und dadurch deine Steuerlast senken kannst, kann es sinnvoll sein das Darlehen nicht zu abzulösen. Es sei denn die monatliche Rate bricht dir das Genick. Das wäre dann die Ausnahme von der Ausnahme.

 

  1. Flexible Rücklagen – die Oma sagte dazu Notgroschen

Schulden und flexibel Rücklagen stehen eindeutig im kausalen Zusammenhang. Wenn du ausreichend flexible Rücklagen hast, ist die Gefahr, dass du einen Privatkredit aufnehmen musst um ein Vielfaches geringer. Die Urlaubsreise, die Winterreifen, die Autoreparatur, die kaputte Waschmaschine, der neue Fernseher können dann aus den Rücklagen gezahlt werden. Bedenke, wenn du dich am Notgroschen bedienst, musst du auch dafür sorgen das dieses Polster wieder aufgefüllt wird.

Hier eigenen sich Tagesgeldkonten, Geldmarktfonds als Produkte. Wichtig ist, dass keine Kosten anfallen und Du täglich über die komplette Summe verfügen kannst. Ratsam sind mindestens 2 bis 4 Monatsgehälter. Und entgegen vielen anderen Meinungen, halte ich es für völlig irrelevant wie hoch die Verzinsung bzw. die Rendite dieser Produkte sind. Sicher, flexibel und täglich verfügbar!

Beispielrechnung: 8.000€, Zinssatz 0,1% entspricht 8€ Zinsen pro Jahr. Bei 0,2% Zinsen sind es 16€ pro Jahr. Das macht die nicht ärmer und auch nicht reicher. Sicher, flexibel und täglich verfügbar!

 

  1. Vermögensaufbau und Vermögenssicherung sollten wie Zahnräder ineinandergreifen

Will sagen, nutze Versicherungen, um deine Geldanlagen abzusichern.

Wie meine ich das und wie machst Du das?

Du hast es geschafft, Dir 30.000€ Kapital aufzubauen. Super gemacht!

Arztbesuch: Diagnose berufsunfähig!! Bähm, dein Finanzkonzept fällt wie ein Kartenhaus zusammen. Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt so gut wie nichts an Rente, wenn sie überhaupt etwas zahlt. Im schlimmsten Fall erhältst du HARTZ IV Leistungen. Wenn es ganz schlimm kommt, erst dann, wenn das Ersparte aufgebraucht ist. Selbst wenn nicht, die 30.000€ sind ganz schnell aufgebraucht und die monatliche Sparrate wirst du auch nicht mehr aufbringen können.

Sichere die wichtigsten Risiken mit Versicherungen ab! Risiken wie Berufsunfähigkeit, Unfall.

Schließe eine Private Haftpflichtversicherung ab! Hast Du Familie und oder eine Baufinanzierung abgeschlossen, solltest Du eine Risikolebensversicherung abschliessen! Wenn Du stirbst, wird das Haus mit der dann fälligen Todesfallsummen bezahlt.

Sicher, wir leben in Deutschland in einem Sozialstaat. Das bedeutet, dass einige Risiken über den Staat abgesichert sind. Aber eben nicht alle und nicht in voller Höhe und oft nicht ausreichend. Ohne Eigenverantwortung wirst du diese finanziellen Risiken nicht in den Griff bekommen.

Hier kann dir ein außenstehender, neutraler Experte hilfreich sein.

Versichere so wenig wie möglich, aber so viel wie nötigt!

Betrachte deine Geldanlagen und deine Versicherung als ein Gesamtkonzept!

 

  1. Welches Risiko bist Du bereit einzugehen?

Alle Geldanlagen sind in Risikoklassen eingeteilt. 7 Risikoklassen gibt es und das Risiko steigt mit jeder Risikoklasse. Finde für dich persönlich heraus, welches Risiko du bereit bist einzugehen.

Versuche zu verstehen, das Risiko von Grundsatz her nicht schlechtes ist. Wenn Du größtmögliche Sicherheit haben möchtest, musst du bereit sein, den Preis dafür zu zahlen. Der Preis für Sicherheit bei Geldanlagen ist ein Abstrich bei der Rendite.

Rendite meint übrigens, den Gewinn einer Kapitalanlage nach Abzug aller Kosten.

Mach dir bewusst, wenn dein Sicherheitsempfinden so groß ist, dass du eine Rendite unterhalb der Inflation (2 bis 3%) in Kauf nimmst, nimmt die Kaufkraft deines Vermögens ab. Du machst mit einer solchen Geldanlage Verluste.

Wenn Du also nachhaltigen Kapitalaufbau mit einer Rendite oberhalb der Inflation erzielen willst, wirst an der Bereitschaft, ein gewisses Maß an Risiko einzugehen, nicht umherkommen.

Ob es dabei ratsam ist, auf deinen Opa zu hören, der bei der Hyperinflation 1929 sein ganzes Vermögen verloren hat, oder auf Freunde aus deinem sozialen Umfeld, die in einer Woche 50% Prozent plus mit einer Aktie erzielt haben, ist fraglich.

Beziehe in deine Entscheidung eher Aspekte wie Anlageerfahrung, monatlich frei verfügbares Einkommen, Anlagehorizont, persönliches Alter mit ein. Je länger Du auf das Kapital verzichten kannst, umso weniger sollten dich die Schwankungen deiner Wertpapiere beunruhigen. Aber nur, wenn du nicht von Gier getrieben bist und du ein Dollarzeichen in den Augen hast.

 

  1. Streuen des Risikos

Erinnere dich, weiter oben im Artikel habe ich was von Anlegergrundsätzen geschrieben.

Anlegergrundsätze sind Sicherheit, Verfügbarkeit, Flexibilität, Rendite, Inflation, Steuer.

Da es kein Wertpapier gibt, mit dem du alle diese Anlegergrundsätzen abbilden kannst, solltest du sie auf mehrere Geldanlagen verteilen. Finanzprodukte wie Bundesschatzbriefe, Sparbücher, Termingeld, Banksparpläne decken primär den Anlegergrundsatz Sicherheit ab.

Teile deine Geldanlagen in kurz-, mittel- und langfristig ein. In jeder dieser drei Kategorien nutzt du andere Finanzprodukte. In jeder Kategorie setzt Du dir unterschiedliche Schwerpunkte aus den Anlegergrundsätzen, So dass du am Ende des Tages alle Anlegergrundsätze abgedeckt hast.

 

Ausfolgenden Produkten kannst wählen:

Risikoklasse 1 = Sicherheit
Sparbriefe, Tagesgeld, kurzfristiges Festgeld, Bausparverträge, Euro-Geldmarktfonds

Risikoklasse 2 = Sicherheitsorientiert
Herkömmliche Kapitallebensversicherungen mit Kapitalzins, Rentenfonds mit ausgezeichneter Bonität

Risikoklasse 3 = Konservativ sicherheitsorientiert
Festverzinsliche Wertpapiere, Euro-Anleihen mit guter Bonität, Mischfonds

Risikoklasse 4 = Solide Ertragsorientiert
Aktien, Aktienfonds, ETFs mit soliden europäischen Standardwerten

Risikoklasse 5 = Konservativ Wachstumsorientiert
OTC Aktien, Aktien aus Drittländern, Währungsanleihen mittlerer Bonität, Hochzins Staatsanleihen

Risikoklasse 6 = Wachstumsorientiert/spekulativ
Optionsscheine, Futures, Optionen, Junk Anleihen, Dividendenfonds

Risikoklasse 7 = Extrem spekulativ
Hedgefonds, Drittländerfonds, Branchenfonds

Ob Du bereit bist, Wertpapiere aus allen 7 Risikoklassen zu kaufen, musst Du selbst entscheiden.

Warum ist die Streuung denn so wichtig? Nun, sollten bei Wertpapieren aus den höheren Risikoklassen Kursschwankungen nach unten auftreten, kannst du diese beruhigt aussitzen, da du noch sichere Geldanlagen besitzt, auf die du zurückgreifen kannst.

 

  1. Kosten, Kosten, Kosten

Bei Wertpapieren fallen verschiedene Kosten an. Im Vergleich zur Wertentwicklung sind diese garantiert. Kosten schmälern den Ertrag deiner Geldanlage. Du kannst hier zwischen laufenden und einmaligen Kosten unterscheiden.

Laufende Kosten

  • Depot- und Kontoführungsgebühren – hier gibt es zum einen das Festpreismodell und zum anderen das Prozentmodell, also der Depotpreis steigt mit dem Depotvolumen.
  • Verwaltungsgebühr – die wird in Prozent vom Fondsvolumen berechnet und jährlich fällig. Die Spanne reicht von unter einem Prozent bis 2 Prozent.

Einmalige Kosten

  • Bei Investmentfonds wird ein Ausgabeaufschlag fällig. Dieser ist bei Kauf von Anteilen einmalig fällig. Mit der Höhe der Risikoklasse steigt auch der Ausgabeaufschlag. Die Spanne liegt zwischen 0 und 6 Prozent.
  • Orderkosten fallen bei Aktienkäufen an. Hier liegt die Spanne zwischen 2€ und 60€ pro Order

 

  1. bleib flexibel

Halte dir immer die Option offen, deine einmal getroffene Anlageentscheidung zu korrigieren bzw. an die aktuelle Marktlage anzupassen. Das bedeutet, vermeide Geldanlagen, mit einer festen Laufzeit. Sicher, Finanzprodukte aus derselben Risikoklasse mit fester Laufzeit haben eine höhere Rendite, als Produkte ohne Laufzeit. Da du aber nicht weisst, was Morgen sein wird, solltest du weitgehend auf solche Produkte verzichten.

Anlageentscheidungen, die vor 8 Jahren richtig waren, können heute aufgrund persönlicher Veränderungen oder Marktveränderungen eine Neuausrichtung verlangen.

Nutze die Möglichkeit Kursgewinne mitzunehmen, indem du zu hohen Kursen verkaufst und bei niedrigen Kursen einsteigst. Aber Vorsicht, übertreibe es nicht mit dem Umschichten.

Ein alte Börsenweisheit sag: Vieles Hin und Her, macht die Taschen leer!

 

  1. regelmäßiger Checkup

Dein Berater kann nicht wissen, wann und ob sich deine persönliche Situation ändert. Informiere ihn, wenn sich bei Dir Änderungen ergeben, die eine Anpassung der Anlagestrategie notwendig machen. Eine geplante Selbständigkeit, Familiennachwuchs, der Kauf einer Immobilie oder eine Erbschaft können Veränderungen in deinem Depot erfordern.

Der Eintritt ins Rentenalter ist häufig ein Zeitpunkt, zu dem von einer gewinnorientierten Anlagestrategie auf eine konservativere umgestellt wir.

 

  1. Fang an

Warte nicht auf den perfekten Moment, denn, den gibt es nicht. Wenn die Ausführung der ersten Punkte aus diesem Artikel mehr Zeit erfordern, als Du eingeplant hast, bedeutet das nicht, dass Du auch später mit dem Sparen anfängst. Bis das Konzept steht, kannst du dich schon ans sparen gewöhnen. Lege einen kleinen Betrag, der auf jeden Fall übrig bleibt auf ein Sparbuch oder eine Tagesgeldkonto. Warte auf keinen Fall auf das Monatsende, um dann zu sehen, was noch vom Gehalt übriggeblieben ist. In der Regel bleibt nichts übrig.

Nutze die Zwei-Konten-Strategie um deine Ausgaben vom Konsum zu trennen.