In der privaten Unfallversicherung beeinflussen drei Begrifflichkeiten maßgeblich die Höhe der Versicherungsleistung, wenn du durch einen Unfall einen dauerhafte Invalidität erleidest. Progression, Gliedertaxe und Invaliditätsstaffel, hat sicher jeder schonmal gehört. Was sie haben genau bedeuten, wie sie deine Versicherungsleistung beeinflussen und worauf du bei der Tarifwahl achten musst, das ist Vielen nicht vollumfänglich bewusst. Wenn du das gelesen hast, weißt du Bescheid. Am Ende des Beitrages erfährst du, wie du Progression, Gliedertaxe und Invaliditätsstaffel für dich und deine private Unfallversicherung richtig bewertest.

 

Leistungen aus einer privaten Unfallversicherung erhältst du immer dann, wenn du durch einen Unfall eine dauerhafte Invalidität erleidest. Dein Körper muss einen irreparablen Schaden davontragen. Die aufgeschürften Knie, von denen nach 14 Tagen nichts mehr zu sehen ist, sind damit also nicht gemeint.

Nachdem das klar ist, klären wir noch schnell den Unfallbegriff, bevor wir Progression, Gliedertaxe und Invaliditätsstaffel aufdröseln.

 

Gliedertaxe

Wenn du eine private Unfallversicherung abschließen willst, kann ein Blick ins Tarifwerk bei der Tarifwahl hilfreich sein. Dabei wirst du auf eine Tabelle mit der Überschrift Gliedertaxe stoßen. In der Gliedertaxe ist festgelegt, welche Leistung du bei einem bestimmten Invaliditätsgrad erhältst. Dein Invaliditätsgrad wird in Prozent angegeben. Das ist übrigens in der Sozialversicherung auch so. In dieser Gliedertaxe legt der Versicherer fest, bei welcher dauerhaften Schädigung welcher Invaliditätsgrad zu Grunde gelegt wird.

Dliedertax der privaten Unfallversicherung

Wichtig für dich zu wissen ist, dass sich die Gliedertaxen von Versicherung zu Versicherung unterscheiden. Es gibt als keine einheitliche Regelung. Jede Versicherungsgesellschaft legt die Gliedertaxe individuell fest. Auch unterscheiden sich die einzelnen Gliedertaxen in den aufgeführten körperlichen Schädigungen. Also hier lohnt es sich etwas genauer hinzuschauen.

 

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Hast du durch einen Unfall mehrere in der Gliedertaxe aufgeführten Beeinträchtigungen davongetragen, so werden diese addiert. Aber bei 100 Prozent ist selbstverständlich Schluss. Und wenn du eine ganze Hand verloren hast, dann wird nur die Hand gewertet und nicht jeder einzelne Finger und die Hand dann noch zusätzlich. Ich denke, das ist klar.

 

Invaliditätsstaffel

So, die Gliedertaxe ist abgehakt. Es gibt noch eine weitere Tabelle in Tarifdschungelwerk der privaten Unfallversicherung. Die Rede ist von der Invaliditätsstaffel. In der Invaliditätsstaffel kannst du ablesen, welche Versicherungsleistung bei welchem Invaliditätsgrad fällig wird. Du geht’s also zuerst in die Gliedertaxe und suchst deinen Invaliditätsgrad. Und mit dem geht’s du dann in die Invaliditätsstaffel Tabelle und kannst ablesen welche Versicherungsleistung du erhältst. Da die Versicherungsleistung in der Invaliditätsstaffel in Prozent angegeben ist, benötigst du noch eine weitere Zahl. Die Versicherungssumme. Diese hast du hoffentlich in richtiger Höhe bei Beginn der Versicherung festgelegt. Die Prozentangaben in der Invaliditätsstaffel-Tabelle beziehen sich also auf die Versicherungssumme deiner Privaten Unfallversicherung.

 

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Progression

Bleibt als letzter Punkt die Progression. Sucht man bei Wikipedia nach Progression findet man Schlagworte wie allmählich steigend, nicht linear, mit steigender Invalidität immer steiler. Bedeutet also, was allmählich beginnt wird Ende immer steiler.

Für die private Unfallversicherung bedeutet das Folgendes. Je höher dein Invaliditätsgrad ist, umso höher die Versicherungsleistung. Ja aber das haben wir doch bei der Invaliditätsstaffel gelernt. Stimmt, aber durch einen Progressionsfaktor ist die Leistung dann höher als die Versicherungssumme, die du bei Abschluss der privaten Unfallversicherung vereinbart hast.

 

 

Bei Vertragsabschluss deiner privaten Unfallversicherung wird eine Progression festgelegt. Die am häufigsten anzutreffenden Progressionen sind 225, 300, 500, 600 oder 1.000.

Diese Zahlen besagen, dass du im Falle einer 100 prozentigen Invalidität das 2,25-fache, das 3-fache, das 5-fache, das 6-fache oder das 10-fache der Versicherungssumme erhältst.

Bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro und einer Progression von 500, werden bei Vollinvalidität demzufolge 500.000 Euro fällig.

Jetzt hast du weiter oben erfahren, dass Progression allmählich ansteigend bedeutet. Die volle Progression von 500 wird in unserem Beispiel erst bei 100 Prozent Invalidität fällig. Die Progression steigt also mit zunehmender Invalidität an und erreicht ihre volle Höhe bei 100 Prozent Invalidität.

Auch für die Progression gibt es in den Versicherungsbedingungen eine Tabelle. Dort kannst du für jeden Invaliditätsgrad die entsprechende Progression ablesen.

Hier eine Beispiel, wie einen Invaliditätsstaffel bei einer Progression 500 aussehen kann.

 

Wie du die Progression, Gliedertaxe und Invaliditätsstaffel richtig bewertest.

Ähnlich wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung oder der Krankentagegeldversicherung ist korrekte Versicherungssumme entscheidend.

Dein Beruf,

dein Alter,

deine Einkommenssituation,

deine familiäre Situation

sind entscheidende Einflussfaktoren für die Versicherungssumme deiner privaten Unfallversicherung.

Wenn aufgrund einer dauerhafte Invalidität durch einen Unfall aus deiner Unfallversicherung 60.000 Euro fällig werden, du aber dein Haus komplett umbauen oder sogar neu bauen musst, warst du eindeutig unterversichert.

Bist du Sommelier und hast durch einen Unfall deinen Geschmackssinn verloren, was einem Invaliditätsgrad von gerade mal 5 Prozent entspricht, musst du auf eine hohe Grundversicherungssumme und eine frühzeitig einsetzende hohe Progression achten.

Beziehe auch deine bereits bestehenden Versicherungen in die Entscheidung mit ein. Besitzt du eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Grundfähigkeitsversicherung, eine private Pflegeversicherung? Wie viel privates Vermögen besitzt du?

Stelle dir folgende zwei Fragen.

1. Was ist das Schlimmste, dass dir passieren kann, wenn du keine private Unfallversicherung hast?
2. Bist du bereit für den Beitrag, den du für eine perfekte Unfallversicherung aufbringen musst, dieses Risiko outzusourcen?

 

Jetzt will ich es aber genau wissen!