Wenn ein geliebter Mensch stirbt, muss trotz Trauer und teilweiser Hilflosigkeit einiges beachtet werden.

Es muss die Beerdigung geplant werden, es müssen diverse Bankangelegenheiten geklärt werden, das Erbe steht an usw.

Aber auch die Versicherungen des Verstorbenen bedürfen Aufmerksamkeit.

Nicht jeder Versicherungsvertrag endet mit dem Tod automatisch. Und selbst wenn, muss die Versicherungsgesellschaft erstmal davon Kenntnis erhalten.

Aber auch um den nahtlosen Übergang des Versicherungsschutzes des Hab und Guts zu gewährleisten, verlang die Einhaltung einiger Fristen.

Jede Versicherung muss über den Todesfall informiert werden.
Es ist zunächst egal ob der Verstorbene nur die versicherte Person war oder ob er Versicherungsnehmer war, also den Vertrag selbst abgeschlossen hatte. Es wird zwischen Sachversicherungen und Personenversicherungen unterschieden. Die Versicherung sogenannter biometrischer Risiken nennt man Personenversicherungen.

Die Private Haftpflichtversicherung, die Hausratversicherung, die Glasversicherung, die KFZ Versicherung oder die Wohngebäudeversicherung versichern Sachen und oder Schäden, die aus Handlungen heraus entstehen können. Die Versicherungen gehören in die Kategorie der Sachversicherungen. Und die Sachversicherungen enden nicht automatisch mit dem Tod, denn sie sind ja auch weiterhin vorhanden.

Nachfolgend erkläre ich was du bei jedem einzelnen Vertrag tun musst.

  1. KFZ Versicherung
  2. Wohngebäudeversicherung
  3. Hausratversicherung
  4. Haftpflichtversicherung
  5. Krankenversicherung
  6. Versicherungen auf den Todesfall
  7. Unfallversicherung
  8. Lebensversicherung
  9. Sterbegeldversicherung
  10. Rechtschutzversicherung
  11. Riester Rente
  12. Basis Renten / Rürup Rente
  13. Betriebliche Altersvorsorge
  14. Berufsunfähigkeit Versicherung, Grundfähigkeit Versicherung, Private Pflegezusatzversicherung

 

KFZ-Versicherung

Informiere die KFZ Versicherung über den Tod des Verstorbenen.
Wird das versicherte Fahrzeug abgemeldet oder verkauft, endet der Vertrag mit der Abmeldung bzw dem Verkauf. Zuviel gezahlte Beiträge werden erstattet.  Soll der Vertrag von jemanden anderen aus der Familie übernommen werden, muss ein sogenannter Ersatzantrag aufgenommen werden und das Fahrzeug muss umgemeldet werden. Also der neue Besitzer muss sich vom Versicherer eine Elektronische Versicherungsbestätigung (EVB) besorgen und zur Zulassungsstelle gehen und das KFZ ummelden. Da die Versicherungsprämie sich auch anhand von Personendaten, Jahresfahrleistung, Beruf, Datum des Führerscheinerwerbs berechnet wird, kann sich auch der Beitrag ändern. Der Schadensfreiheitsrabatt des Verstorbenen kann unter Umständen übernommen werden. Die genauen Richtlinien erfragst du am besten beim jeweiligen Versicherer. Bei der Witwe und Kinder ist dies in aller Regel kein Problem. Je entfernter der Verwandtschaftsgrad jedoch ist um so schwieriger kann es werden hier die Schadensfreien Jahre zu übernehmen. Grundsätzlich können immer nur so viel Schadenfreie Jahre übernommen werden, wie du selbst hättest erreichen können vom Erwerb des Führerscheines bis heute. Hast Du den Führerschein erst sein 5 Jahren, kannst Du keine 30 schadenfreien Jahre übernehmen, sondern eben nur 5. Die anderen 25 verfallen.

 

Wohngebäudeversicherung

Hier kommt es darauf an. Auf jeden Fall unverzüglich der Versicherung mitteilen. Sollte das Haus jetzt nicht bewohnt sein, stellt das Sicht der Versicherung ein höheres Risiko dar und berechtig die Versicherung die Prämie zu erhöhen. Andererseits kann das zu versichernde Risiko eventuell geändert werden. Aber auch hier kommt es darauf an. Wenn das Haus unbewohnt ist, ist das Leitungswasserrisiko deutlich geringer.

Wird das Haus weiterbewohnt, kann die Wohngebäudeversicherung übernommen werden oder eine neue abgeschlossen werden. Wenn sich für einen Neuvertrag entschieden wird, sollte bedacht werden, dass die bestehende gekündigt werden muss und dann sofort kein Versicherungsschutz mehr besteht. Dann muss ein neuer Antrag aufgenommen werden, dieser muss an die Versicherung übermittelt werden und je nach Bearbeitungsstand und -aufwand kann es dann nochmal einige Zeit dauern bis aus dem Antrag ein Vertrag wird. Und in dieser Zeit besteht kein Versicherungsschutz!!

Hier kann die bessere Vorgehensweise die sein, dass erstmal die bestehende Wohngebäudeversicherungübernommen wird, diese zur nächsten Hauptfälligkeit gekündigt wird und dann in aller Ruhe eine neue Versicherungsgesellschaft gesucht wird.

 

Hausratversicherung

Eine Hausratversicherung kann für längstens 2 Monate nach dem Tod des Versicherungsnehmers weiter aufrechterhalten werden. Die rückwirkende Auflösung zum Todestag ist nicht möglich. Das ist auch nachvollziehbar, da ja für diesen Zeitraum Versicherungsschutz bestand. Wenn der Hausrat übernommen wird, dann muss sich derjenige um einen eigenen Versicherungsschutz bemühen, kann aber in der Regel auch den bestehenden Vertrag übernehmen.

 

Haftpflichtversicherung

Bei Haftpflichtversicherungen kommt es wieder darauf an. Die Haftpflichtversicherung für einen Öltank, als Haus- und Grundbesitzer oder als Tierhalter besteht weiter. Auch hier ist der Sinn schnell erklärt. Das Risiko, das Apollo oder Zeus den Postboten in die Wade beißen, besteht auch nach dem Tod des Versicherungsnehmers weiter. Genauso, dass Fußgänger auf dem nicht gestreuten, vereisten Gehweg zu Schaden kommen.  Ein Sonderkündigungsrecht des Erben besteht nicht. Die Private Haftpflichtversicherung des Verstorbenen jedoch endet mit dem Tod, wenn er der einzige Versicherte war. Denn, ab diesem Zeitpunkt besteht das zu versichernde Risiko nicht mehr. Sind weitere Personen mitversichert, können diese den Vertrag übernehmen, oder aber sie bemühen sich um eine neue Private Haftpflichtversicherung bei einer anderen Versicherungsgesellschaft. Auch hier gilt, der Versicherer muss informiert werden.

 

Krankenversicherung 

Die Krankenversicherung ist einen auf die Person bezogene Versicherung.
Sowohl die private als auch die gesetzliche Krankenversicherung enden mit dem Tod der versicherten Person. Sind in einer privaten Krankenversicherung weitere Personen mitversichert, wie z.B. Kinder oder Ehefrau, können diese den Vertrag übernehmen. Aber Achtung, die Möglichkeit der Vertragsübernahme endet nach zwei Monaten. Das ist insofern besonders wichtig, dass bei zwischenzeitlich aufgetretenen Erkrankungen eine Neuversicherung nicht mehr möglich ist, oder aufgrund des neuen Eitrittsalter erheblich mehr an Beiträgen gezahlt werden muss.
In der gesetzlichen Krankenversicherung kann es vorkommen, dass Kinder wegen des Bezugs einer Waisenrente versicherungspflichtig werden und nicht einfach über das hinterbliebene Elternteil familienversichert werden können. Auch dort gilt es, möglichst schnell den Versicherer zu informieren.

 

Versicherungen auf den Todesfall

Bei allen Versicherungen auf den Todesfall aus denen Leistungen zu erwarten sind, sollte möglichst schnell eine Sterbeurkunde eingereicht werden. Das können Risikolebensversicherung, Kapitallebensversicherung, Sterbegeldversicherung, Unfallversicherung aber auch Fondsgebundene Renten- und Lebensversicherungen sein.

Hier ist auch zu beachten, dass in einigen Verträgen eine höhere Versicherungsleistung für die Bezugsberechtigten vorgesehen ist, wenn der Tod unfallbedingt eintrat. Leider kommt es auch immer wieder vor, dass der Versicherer die Todesursache anzweifelt und behauptet es sei kein Unfall oder ein Suizid gewesen. Gerade in diesen Fällen gilt es überlegt zu handeln und Rechtsrat einzuholen.

 

Unfallversicherung

Bei der Unfallversicherung muss besonders schnell gehandelt werden. Ein Unfalltod muss innerhalb von 48 Stunden beim Versicherer gemeldet werden. Dies gilt besonders bei unklaren Todesursachen, bei denen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet ist und Nachuntersuchungen zur Todesursache angeordnet werden. Ist der Unfalltod eindeutig feststellbar, akzeptieren viele Versicherer auch eine spätere Meldung.

Die Versicherungssumme wird dann an den Bezugsberechtigten gezahlt.

War der Verstorbene auch Versicherungsnehmer und sind noch weitere Personen in der Unfallversicherung versichert, können diese den Vertrag übernehmen. Bei Kinderversicherungen wird der Vertrag für die hinterbliebenen Kinder bis zur Volljährigkeit beitragsfrei weitergeführt. Der gesetzliche Vertreter wird dann Versicherungsnehmer.

 

Lebensversicherung

Auch der Lebensversicherer muss unverzüglich, also so schnell wie möglich, informiert werden. War der Verstorbene versicherte Person, erlischt der Vertrag. Die Versicherungssumme wird an den Bezugsberechtigten gezahlt. Stirbt der Versicherungsnehmer, der nicht versicherte Person war, wird eine bei Vertragsabschluss bestimmte Person neuer Versicherungsnehmer. Wurde niemand eingetragen, werden die Erben Versicherungsnehmer. Unverzüglich beim Versicherer vorgelegt werden, müssen:

  • der Versicherungsschein im Original
  • eine Sterbeurkunde
  • ein Zeugnis über die Todesursache.

Da zumindest der Versicherungsschein im Original verlangt wird, sollten Angehörige vor dem Versenden an den Lebensversicherer die Unterlagen fotokopieren und einen sicheren Versandweg z. B. per Einschreiben-Rückschein wählen.

Sterbegeldversicherung

Für die Sterbegeldversicherung gilt ebenfalls: Der Versicherer muss unverzüglich informiert werden. Beim Versicherer vorgelegt werden, müssen:

  • der Versicherungsschein im Original
  • eine Sterbeurkunde
  • ein Zeugnis über die Todesursache

 

Rechtschutzversicherung

Der Versicherungsschutz in der Rechtschutzversicherung besteht noch bis zum Ende der Versicherungsperiode fort. Der Versicherer muss ebenfalls über den Tod des Versicherungsnehmers unterrichtet werden. Meist können Erben den Vertrag durch Beitragszahlung übernehmen oder die Aufhebung zum Todestag verlangen.

 

Riester Rente

Hier kommt es wieder darauf an. Ist die Riester Rente in der Beitragszahlungsphase oder schon in der Rentenbezugsphase. Gibt es einen Ehepartner oder waisengeldberechtigte Kinder.

In allen Fällen muss die Versicherungsgesellschaft ebenfalls innerhalb von 48 Stunden informiert werden.

War der Riester Vertrag des Verstorbene noch in der Beitragszahlungsphase kommt es wieder darauf an. War er verheiratet und hat der Ehepartner ebenfalls einen Riester Renten Vertrag, kann das Guthaben aus dem Vertrag des Verstorbenen in den Vertrag des Ehepartners integriert werden. Hat der Ehepartner keine eigene Riester Rente, wird aus dem Vertragswert eine lebenslange Rente gezahlt. Ist der Vertragswert zu gering, wird das gesamte Guthaben in einer Summe ausbezahlt.  Der Ehepartner kann auch einen eigenen Riestervertrag neu abschließen und dann das Guthaben übertragen lassen. Ist der Ehepartner bereits verstorben, erhalten die waisengeldberechtigten Kinder eine Rente. Jedoch nur für den Zeitraum des Waisengeldbezugs. Geht der Vertrag an eine andere Person muss er förderschädlich aufgelöst werden. Es müssen dann sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden.

Ist der Vertrag bereit in der Rentenbezugsphase und noch in der Rentengarantiezeit, erhält der Ehepartner für den Rest der Rentengarantiezeit die Rente weitergezahlt. Ist die Rentengarantiezeit bereits abgelaufen, fällt das dann noch im Vertrag enthaltene Guthaben der Versichertengemeinschaft zu und der Ehepartner erhält keine Rente. Hat der Ehepartner ebenfalls einen Riestervertrag, kann der den Zufluss des Vertragswertes an die Versichertengemeinschaft durch einen Übertrag in seinen Vertrag vermeiden.

 

Basis Rente / Rürup Rente

Auch für die Basis Rente beträgt die Meldefrist 48 Stunden. Sollte es sich um eine Vertragskonstellation mit einer Hinterbliebenen Versorgung (Todesfallschutz) handeln, muss neben der Sterbeurkunde und der Versicherungspolice auch ein Nachweis über die Todesursache der Versicherung vorgelegt werden.

Auch hier kommt es wieder darauf an. Und zwar genau wie bei der Riester Rente darauf, ob die Rürup Rente schon in der Rentenbezugsphase war oder noch in der Beitragszahlungsphase. War der Vertrag in der Beitragszahlungsphase erhalten Ehepartner (wenn es den nicht mehr gibt, die waisengeldberechtigten Kinder) eine lebenslange Rente gezahlt. Auch hier besteht die Möglichkeit einer Kapitalabfindung bei Unterschreitung des sogenannten Kleinstrentenbetrags analog zur Riester Rente. Sind keine waisengeldberechtigten Kinder und auch kein Ehepartner vorhanden, fällt das gesamte Kapital an die Versichertengemeinschaft. In der Rentenbezugsphase der Basis Rente erhalten auch der Ehepartner oder die waisengeldberechtigten Kinder bis zum Ablauf der Rentengarantiezeit eine Rente gezahlt. Auch hier besteht wieder die Möglichkeit der Kapitalabfindung (Unterschreitung Kleinstrentenbetrag). Nach Ablauf der Rentengarantiezeit fällt das Restkapital ebenfalls wieder der Versichertengemeinschaft zu.

 

Betrieblichen Altersvorsorge 

Egal welchen Durchführungsweg bei der Betrieblichen Altersvorsorge gewählt wurde, gilt auch hier so schnell wie möglich die Versicherung informieren. Welche Unterlagen eingereicht werden müssen, hängt von den versicherten Risken ab. Auf jeden Fall eine Kopie der Sterbeurkunde, den Original Versicherungsschein und wenn auch der Unfalltod mitversichert war ein Zeugnis über die Todesursache. Gezahlt wird je nach Vertragskonstellation eine Rente oder eine Kapitalabfindung.

 

Berufsunfähigkeit Versicherung, Grundfähigkeit Versicherung, Private Pflegezusatzversicherung

Bei der Berufsunfähigkeit Versicherung, der Grundfähigkeit Versicherung und der Privaten Pflegezusatzversicherung wird im Todesfall keine Leistung fällig. Das Gegenteil ist der Fall. Werden bereits Leistungen in Form von mtl. Renten bezogen, werden diese eingestellt. Um hier spätere Rückzahlungen zu vermeiden, gilt auch hier den Tod unverzüglich anzuzeigen. Wird keine Leistung bezogen, sondern der reguläre Beitrag gezahlt auch hier den Tod rasch anzeigen um eine erneute Abbuchung zur nächsten Fälligkeit (meist der erste des Monats) zu vermeiden. Die Todesursache spielt bei diesen Versicherungen keine Rolle.

War der Verstorbene nur Versicherungsnehmer, nicht aber versicherte Person, kann die versicherte Person den Vertrag übernehmen und wird dadurch auch Versicherungsnehmer.