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Die Schlagzeile lautet:

Wohneigentum soll für viel mehr Menschen bezahlbar werden! Der Bundesregierung ist ein entscheidender Schlag gegen die Altersarmut geglückt. Die Bausparkassen jubeln. Mit der Reform des Wohnungsbauprämiengesetzes wird alles rosarot.

 

So hört es sich an, wenn man sich Informationen zum ab 2021 in Kraft tretenden Wohnungsbauprämie Reformgesetz anschaut. Also jetzt ist Bausparen wieder lohnenswert und viel mehr Menschen können sich nun die eigenen 4 Wände finanzieren? Schauen wir uns das doch mal genauer an. Was ist hier nun genau der Fall?

Wie ist es aktuell, also wie sieht das Wohnungsbauprämiengesetz aktuell aus?

Du kannst Wohnungsbauprämie bekommen, wenn du in einen Bausparvertrag einzahlt. Dabei spielt es keine Rolle, ob du das über die vermögenswirksamen Leistungen, also direkt vom Arbeitgeber an die Bausparkasse überweisen, oder ob du es eigenständig von deinem Girokonto tust. Was aber eine entscheidende Rolle spielt, ist die Höhe der jährlichen Einzahlungen und dein zu versteuernden Jahreseinkommen.

Aktuell verlierst du den Anspruch auf Wohnungsbauprämie, wenn du als Single ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 25.600 € überschreitet. Bist du verheiratet verdoppelt sich diese Summe auf 51.200 €.

Hier kommt die erste Änderung:  Ab 2021 steigt die Grenze für Singles auf 35.000 € für Singles. Und auch hier natürlich das doppelte für Ehepaare. Vorher eher Gering – Verdiener und ab 2021 kommen dann schon rund die Hälfte alle Arbeitnehmer in den Genuss.

Der Hammer!! Aber, wie viel Geld bekommst du denn ab 2021 mehr? Also es wird auf jeden Fall mehr. Aktuell erhält der Single 45,06 € und richtig, Ehepaare das Doppelte. Ab 2021 sind es dann schon 10 % von 700 € Einzahlungssumme pro Jahr, also 70 €. Ehepaare zahlen 1.400 € und bekommen dann 140 €. Also atemberaubende 25 € mehr im Jahr und Verheiratete sogar 50 €. Das sind gigantische 2,0 € im Monat.

Man muss schon echt mit dem Klammersack gepudert sein, wenn man tatsächlich glaubt, das mit 25 € mehr im Jahr du dir nun ein Haus leisten kannst und vorher nicht. Und damit nicht genug. Der Zins aus Bausparen beträgt aktuell rund 0,1 % plus mindestens 1 % Abschlussgebühr der Bausparsumme. Wer  für die eigene Immobilie, der macht sicher nicht nur einen 10.000 € Bausparvertrag. Es wird dann schon eher ein Bausparvertrag mit etwa 100.000 € Bausparsumme sein. Das macht rund 1.000 € Abschlussgebühr – bei 0,1 % Zins.

Man muss hier kein Quantenphysik Studium abgeschlossen zu haben um zu erkennen, dass du hier selbst im Vergleich mit einem Sparbuch mit 0,1 % Zinsen besser fährst. Schon klar, der Zins auf Sparbuch wird dadurch nicht attraktiver. Aber du hast halt keine 1.000 € Abschlussgebühr zu zahlen. Wer hätte gedacht, das eine Geldanlagen mit einem garantiertem Zinssatz gibt, die noch schlechter als ein Sparbuch ist.

Bitte, bitte macht keinen BSV nur wegen 25 € mehr WOP! Das ist absoluter Unsinn!

So und bevor mich nun alle Bausparbefürworter an den Pranger stellen: Ich bin kein Bauspargegner, im Gegenteil. Wer einen hat oder wer sich die Zinsen in der Zukunft sichern will oder andere Vorteile des Bausparens für sich nutzen möchte, natürlich. Aber rechne es mit spitzem Bleistift durch, leg wohlüberlegt eine Bausparsumme fest. Aber nicht einen Bausparvertrag abschließen wegen wahnwitziger 25 € mehr im Jahr! Wenn du das Risiko eines Zinsanstieges als recht gering betrachtest und danach sieht es aktuell nun mal aus, dann stellt dir die Frage, ob überhaupt bausparen. Und wenn du weder Arbeitgeber Beteiligung noch stattliche Förderungen erhältst, du noch nicht mal weißt, ob du überhaupt Wohneigentum willst, dann sucht nach Alternativen.